
Bleibelastung auf Schießständen
„Erhöhte Bleiwerte im Blut“
von Dr. Rainer Radtke und Herbert Werner
Diese alarmierende Meldung eines Polizeipräsidiums machte uns auf erhöhte Bleiwerte im Blut von Schießtrainern aufmerksam. Das Polizeipräsidium bat uns um Beratung. Die ersten Ermittlungen ergaben, dass es vermutlich durch selbstgedrehte Zigaretten und den Verzehr des Pausenbrotes ohne vorheriges Händewaschen während der Schießausbildung zu einer Bleiaufnahme über den Mund gekommen war.
Zunächst glaubten alle Beteiligten, dass damit die Ursache für die erhöhten Blutbleiwerte gefunden war. Zur Absicherung dieser Annahme wurde – auch auf Bitte der Personalvertretung – eine Kontrollmessung auf einem Schießstand durchgeführt.
Diese Messung ergab jedoch völlig überraschend eine gravierende Überschreitung des Bleigrenzwertes in der Atemluft. Da Blei beim Menschen fruchtschädigend und beeinträchtigend auf die Fortpflanzungsfähigkeit wirkt, bestand Anlass zur Besorgnis. Nach Einschaltung des Ministeriums des Innern und für Sport (ISM) wurde vereinbart, zur Abklärung und Absicherung des Sachverhaltes weitere Schießstände messtechnisch zu überprüfen und Sofortmaßnahmen zum Schutz der Polizeibeamtinnen und -beamten festzulegen.
Insgesamt wurden mehr als zwanzig Schießstände überprüft und messtechnisch erfasst, wobei uns das Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht unterstützte. Nach jeder Probenahme vor Ort warteten alle Beteiligten mit Spannung auf die Messergebnisse. Leider zeigte sich, dass eine Vielzahl von vereinseigenen Schießständen, die von der Polizei mitgenutzt werden, wegen gravierender Mängel und unzulässiger Bleibelastung für die polizeiliche Schießausbildung nicht mehr oder nur sehr eingeschränkt genutzt werden können.
Die gewonnenen Erkenntnisse gelten für das polizeiliche Schießen (Verteidigungsschießen) und sind auf das sportliche Schießen (nach der Wettkampfverordnung des Deutschen Schützenbundes) nicht übertragbar, da die Polizei aus deutlich kürzerer Entfernung und mit anderen Munitionsarten schießt.
Mit diesem Messprojekt haben wir „Pionierarbeit“ geleistet, denn bei der Suche nach Vergleichsdaten stellten wir fest, dass bundesweit keine Messergebnisse existieren. Die von uns gewonnenen Erkenntnisse fanden bereits Eingang in die Arbeit anderer Institutionen und wurde vom Bundesverband der Unfallkasse in München aufgegriffen.
Um der Polizei auch weiterhin eine entsprechende Schießausbildung zu ermöglichen, haben wir nach intensiven Beratungen mit der Polizeiführung im ISM Lösungsmöglichkeiten vorgestellt sowie Handlungsempfehlungen gegeben. Gleichzeitig haben wir auch Versuche mit alternativen Munitionsarten sicherheitstechnisch und messtechnisch begleitet.
Zukünftig werden Neubau- und Umbaumaßnahmen von polizeieigenen Raumschießanlagen forciert. Bis zur notwendigen Realisierung der baulichen Erfordernisse wurden gemeinsam Strategien entwickelt, um auch die bestehenden Anlagen zumindest partiell und unter strengen Auflagen weiter nutzen zu können.
Trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen genießt der Arbeits- und Gesundheitsschutz der Polizeibeamtinnen und -beamten absolute Priorität. Hieran haben sowohl die Polizeiführung als auch die Personalvertretung zu keiner Zeit den geringsten Zweifel gelassen.
Haben Sie Fragen an die Autoren? Sie beantworten Ihnen diese gerne:
Dr. Rainer Radtke 0 26 32 / 9 60 –356
Herbert Werner 0 26 32 / 9 60 -355
Wir danken der Polizei, dem Ministerium des Innern und für Sport, dem Landesamt für Umwelt,
Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht, der Oberen Waffenbehörde, der Personalvertretung
und allen Beteiligten für die konstruktive Zusammenarbeit.

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