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Unfallkasse Rheinland-Pfalz | Aktuelles Detail

Soziale Arbeit in der Zwickmühle

Wie können zunehmende psychische Belastungen angegangen werden?

Sie arbeiten in Sozial-, Gesundheits- oder Jugendämtern, in Heimen und Tagesstätten, in Kitas, an Schulen, in Beratungsstellen und Obdachloseneinrichtungen, bei sozialen Diensten oder in Justizvollzugsanstalten. Die Rede ist von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern. Ihre Arbeit wird dringend gebraucht, ist aber auch mit vielen Herausforderungen verbunden. Anlässlich des „Tags der sozialen Arbeit“ am 19. März hat die Unfallkasse Rheinland-Pfalz (UK RLP) bei einer Veranstaltung den Fokus auf die steigenden psychischen Belastungen gelegt, mit denen sich die Sozialarbeit im Öffentlichen Dienst konfrontiert sieht.

Der Austausch der Unfallkasse mit Personalverantwortlichen und Personalratsmitgliedern fand auf Initiative von Volker Euskirchen, Vorstandsvorsitzender der UK RLP und Ver.di-Landesfachgruppenleiter für Kommunen und Soziale Arbeit im Landesbezirk Rheinland-Pfalz-Saarland, statt. „Mir ist es wichtig, dass die Kolleginnen und Kollegen auch daran glauben, dass die professionelle Durchführung einer Gefährdungsanalyse in vielen Fällen zu Veränderungen und Verbesserungen der Arbeitsbedingungen führen wird. Das ist in jedem Fall gut investierte Zeit!“, macht Euskirchen deutlich. 

Austausch am Tag der Sozialen Arbeit (v.l.n.r.): Andreas Seul (Stadtverwaltung Koblenz), Lena Schön (Stadtverwaltung Gau-Algesheim), Werner Ruffing (Stadtverwaltung Speyer), Dr. Christoph Heidrich, Bodo Köhmstedt (UK RLP-Fachbereichsleiter Aufsichtsdienst kommunale Einrichtungen), Günther Kopp (Tourist-Information der Stadt Ludwigshafen), Andris Valdmanis (Kinder- und Jugendzentrum Gonsenheim), Volker Euskirchen, Dave Paulissen (UK RLP Abteilungsleiter Sicherheit – Gesundheit – Teilhabe, Schwerpunkt Prävention) und Helin Dogan.

Im Mittelpunkt des Austauschs standen vor allem diese Fragen: Wie können psychische Belastungen in einer Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden? Wie und mit welchen Angeboten unterstützt die UK RLP ihre Mitgliedsbetriebe dabei? Und was müsste noch getan werden, damit es in den Betrieben wirkt? „Obwohl der Gesetzgeber seit Jahren die Notwendigkeit der Berücksichtigung psychischer Belastungen formuliert hat, fällt es vielen Betrieben noch immer schwer, diese Herausforderung systematisch zu meistern und geeignete Maßnahmen abzuleiten“, so UK-Geschäftsführer Dr. Christoph Heidrich.

Das größte Problem ist das hohe Arbeitsaufkommen: Weniger Personal sieht sich mit mehr Fällen konfrontiert, der schnelle Wandel rechtlicher Grundlagen sorgt für zusätzlichen Aufwand. Hinzu kommt, dass die Arbeit von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern emotional sehr herausfordernd ist. „Sie arbeiten mit Menschen. Da erleben sie Schicksale, schwierige Ereignisse, aber auch Aggression“, erklärt Helin Dogan, Arbeitspsychologin und Leiterin des Fachbereichs Gesundheit, Kultur und Arbeitsfähigkeit bei der UK RLP. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter befinden sich in einem besonderen Spannungsfeld: Ihre Aufgabe ist es, anderen Menschen zu helfen. Und natürlich wollen sie auch helfen, kommen dabei aber oft an ihre Grenzen – und merken es zu spät, weil sie ihre eigenen Grenzen unter Umständen gar nicht kennen. „Dazu kommt, dass sie für ihre Arbeit manchmal wenig Wertschätzung erfahren“, spricht Helin Dogan ein weiteres Problem an.

Die Teilnehmenden im Austausch.

Eine Lösung für die grundlegende Ursache der Belastungen ist nicht in Sicht. Denn das Dilemma bleibt bestehen: Angesichts des Fachkräftemangels gibt es für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter wenig Chance auf kurzfristige Entlastung. Es deshalb einfach laufen zu lassen und nichts zu tun, ist aber auch der falsche Weg. Vielmehr gilt es, die bestehenden Rahmenbedingungen der Arbeit so zu gestalten, dass die Beschäftigten gesund bleiben und sicher arbeiten können. Dabei hilft die UK RLP: Sie überwacht und berät zum Arbeits- und Gesundheitsschutz in ihren Mitgliedsbetrieben. In den Qualifizierungen und Seminaren der Unfallkasse nimmt das Thema psychische Belastung einen immer höheren Stellenwert ein. Nicht nur hier gibt es Handlungsempfehlungen und Tipps für Führungskräfte, BGM-Beauftragte und Personalratsmitglieder. 

Zudem stellt die UK RLP ihren Mitgliedsbetrieben Methoden wie den MOLA-Fragebogen zur Verfügung, mit deren Hilfe psychische Belastungen erfasst und beurteilt werden können. „Unser Ansatz ist: Wenn Belastungen erkannt worden sind, müssen auch Maßnahmen abgeleitet und umgesetzt werden. Wir unterstützen die Verantwortlichen dabei“, betont UK-Geschäftsführer Dr. Christoph Heidrich.

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