Diversity – Vielfalt in der Arbeitswelt
„Vielfalt“ ist nicht nur ein Schlagwort, sondern in Zeiten der zunehmenden Globalisierung und des demografischen Wandels eine essentielle Stärke. Unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Hintergründe bereichern Teams, fördern Kreativität und stärken Organisationen. Mit der zunehmenden Diversität in Arbeitsumgebungen entstehen neue Formen der Zusammenarbeit, aber auch neue Anforderungen an Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Wichtig ist, ein inklusives Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem sich alle Mitarbeitenden wertgeschätzt und respektiert fühlen. Denn nur das trägt zu einer positiven Organisationskultur bei.
Als Unfallkasse unterstützen wir unsere Mitgliedsbetriebe dabei, Sicherheit und Gesundheit für alle Beschäftigten zu gewährleisten. Diversity betrachten wir dabei als wichtigen Bestandteil moderner Präventionsarbeit.
Die Dimensionen der Vielfalt
Vielfalt in der Arbeitswelt beeinflusst, wie Menschen Risiken wahrnehmen, Belastungen erleben und Schutzmaßnahmen wirken. Das „Modell der Vielfalt“ nach Gardenswartz und Rowe bietet dafür eine hilfreiche Orientierung. Es beschreibt verschiedene Dimensionen menschlicher Vielfalt, die sich auf Zusammenarbeit, Kommunikation und Prävention auswirken. Die inneren Dimensionen sind dabei besonders prägend und nur begrenzt veränderbar. Im Folgenden beleuchten wir diese Dimensionen und zeigen auf, welche Bedeutung sie für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz haben.
Innere Dimensionen umfassen angeborene und nicht oder nur schwer veränderbare Merkmale wie Alter, Geschlecht und sexuelle Orientierung.
Äußere Dimensionen werden insbesondere familiär oder durch berufliche Sozialisation (wie Berufserfahrung, Familienstand und Lebensphasenorientierung) beeinflusst.
Organisationale Dimensionen werden durch das äußere Umfeld (wie Funktion/Einstufung, Arbeitsinhalte und -felder sowie Arbeitsort) bestimmt.
Unterschiedliche Lebensphasen beeinflussen Belastbarkeit, Leistungsfähigkeit und Risikoverhalten. Prävention muss deshalb alternsgerecht sein. Das heißt: Maßnahmen für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz müssen so gestaltet werden, dass sie Menschen in jeder Phase ihres Erwerbslebens wirksam unterstützen, etwa durch:
- alters- und alternsgerechte Gestaltung von Arbeitsplätzen
- Sensibilisierung für den Schutz Jugendlicher (Jugendarbeitsschutzgesetz – JarbSchG)
- Unterstützung der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben
- Wissenstransfer durch Mentoring und Reverse-Mentoring
Weiterführende Informationen:
Ein IFA-Trendbericht widmet sich dem Thema Demografischer Wandel und unausgewogene Altersstruktur.
Zum Thema Alter informiert die DGUV auf ihrer Homepage. In ihrer Publikations-Datenbank ist zudem die DGUV Information 206-024 Schichtarbeit – (k)ein Problem?! zu finden, welche auch die alternsgerechte Schichtarbeit thematisiert.
Geschlechtsspezifische Unterschiede beeinflussen das Gesundheitsverhalten, die Wahrnehmung von Risiken und den Umgang mit Sicherheit am Arbeitsplatz. Daraus folgt: Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz können nur dann wirksam gestaltet werden, wenn geschlechtsspezifische Bedürfnisse und Erfahrungen bewusst berücksichtigt werden, etwa durch:
- Information werdender und stillender Mütter über ihre Rechte und die Sicherstellung von Mutterschutzmaßnahmen (Mutterschutzgesetz – MuSchG)
- Gleichstellung und einen besonderen Blick auf den Gender Pay Gap
- die Implementierung klarer Anti-Diskriminierungsrichtlinien
- gendergerechte Kommunikation und Sprache
- die Unterstützung neuer Rollenmodelle für Männer
- Flexibilität und Arbeitsmodelle
- spezifische Erfordernisse von persönlicher Schutzausrüstung (PSA)
Weiterführende Informationen:
Der gesundheitlichen Chancengleichheit im Betrieb mit dem Schwerpunkt Gender hat die Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) ihren iga.Report35 gewidmet.
Die sexuelle Orientierung kann entscheidend beeinflussen, wie akzeptiert und sicher sich Menschen in ihrem beruflichen Umfeld bewegen und welche psychischen Belastungen entstehen können. Ein Arbeitsumfeld, in dem Menschen ohne Angst vor Diskriminierung arbeiten können, ist eine Grundvoraussetzung für psychische Gesundheit. Unsicherheit oder Ausgrenzung erhöhen Belastungen und beeinträchtigen die Sicherheit.
Ein respektvolles und vertrauensvolles Arbeitsklima kann durch
- die Implementierung klarer Anti-Diskriminierungsrichtlinien und
- die Förderung einer inklusiven Organisationskultur
unterstützt werden.
Eine Telefonberatung zum Thema geschlechtliche und sexuelle Vielfalt bietet das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) an.
Weiterführende Informationen sind auf der Homepage von LIEBESLEBEN, einer Initiative des BIÖG zur Förderung sexueller Gesundheit, zu finden.
Menschen bringen unterschiedliche körperliche und kognitive Voraussetzungen mit. Diese bestimmen, wie Menschen Arbeitsanforderungen bewältigen und welche Bedingungen sie für eine sichere und gesunde Arbeitsumgebung benötigen. Prävention muss diese Vielfalt berücksichtigen. Ein bewusster Umgang mit dieser Vielfalt unterstützt Beschäftigte dabei, ihre Stärken einzubringen, und schafft die Grundlage dafür, Barrieren abzubauen und Teilhabe im Arbeitsalltag zu ermöglichen.
Hilfreiche Werkzeuge hierbei können sein:
- die Orientierung an der UN-Behindertenrechtskonvention
- die barrierefreie Gestaltung von Arbeitsumgebung und Prozessen – „Design for All“
- die Anpassung der Arbeits- und Aufgabengestaltung an individuelle Fähigkeiten
- die systematische Verankerung eines Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM)
- Information und Sensibilisierung zur Stärkung eines Bewusstseins für unterschiedliche Fähigkeiten
Weiterführende Informationen:
Hilfreiche Links haben wir in unserem Artikel zum Tag der Menschen mit Behinderung zusammengestellt.
Informationen zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement bieten wir unter der Überschrift „Betriebliches Eingliederungsmanagement: Sicher zurück in den Job“ auf unserer BEM-Seite.
Die DGUV hat auf ihrer Homepage ein eigenes Fachportal Barrierefreie Arbeitsgestaltung eingerichtet.
Tipps zur Inklusion bietet Der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband mit seinen „10 Knigge-Tipps zum respektvollen Umgang mit behinderten Menschen“.
Vielfältige kulturelle und ethnische Hintergründe bringen unterschiedliche Perspektiven, Erwartungen und Formen der Verständigung in die Arbeitswelt ein. Damit alle Beschäftigten sicher, gesund und chancengleich arbeiten können, braucht es bewusst gestaltete Rahmenbedingungen, die faire Teilhabe und gegenseitiges Verständnis ermöglichen.
Wichtige Maßnahmen hier sind
- die Sicherstellung von Chancengleichheit in Rekrutierung, Entwicklung und Beschäftigung,
- die Förderung verständlicher Kommunikation, z. B. durch klare Sprache oder mehrsprachige Materialien,
- die Berücksichtigung von kulturellen Unterschieden im Verständnis von Sicherheit und Gesundheit und
- die Sensibilisierung für kulturell geprägte Rollenbilder und deren Einfluss auf Zusammenarbeit und Führung.
Weiterführende Informationen:
Zum Thema Migration informiert die DGUV auf ihrer Homepage. In ihrer Publikations-Datenbank ist zudem der Fakten-Check Migration im Kontext von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zu finden.
Der Verein Charta der Vielfalt stellt auf seiner Homepage die Toolbox „Antirassismus“ zur Verfügung, das Deutsche Kompetenzzentrum für internationale Fachkräfte in den Gesundheits- und Pflegeberufen einen Werkzeugkoffer Willkommenskultur & Integration.
Antworten auf migrations- und arbeitsmarktpolitische Fragen bietet der Verein Migration und Arbeitswelt auf seiner Homepage.
Körperliche Merkmale wie Körpergröße, Haut- oder Haarbeschaffenheit beeinflussen, welche Risiken oder Belastungen bei der Arbeit entstehen können. Solche Unterschiede zu berücksichtigen hilft dabei, Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass sie ergonomisch, sicher und für alle Beschäftigten geeignet sind.
Präventionsmaßnahmen in diesem Bereich können sein:
- die Sicherstellung der ergonomischen Gestaltung anhand individueller Körpermaße
- die Bereitstellung geeigneter persönlicher Schutzausrüstung (PSA) für verschiedene Körperformen und Hauttypen
- Schutzmaßnahmen bei erhöhter UV‑Empfindlichkeit, z. B. durch geeignete Kleidung oder Arbeitszeitregelungen
Weiterführende Informationen:
Tipps zur ergonomischen Gestaltung erhalten Sie auf unserer Seite zur Rückengesundheit.
Die DUGV informiert auf ihrer Homepage ausführlich zu den Themen Sonnenschutz und UV-Strahlung. In ihrer Publikations-Datenbank hält sie außerdem die DGUV Information 215-444 Sonnenschutz im Büro bereit.
Die soziale Herkunft prägt Bildungswege, Gesundheitsverhalten und den Umgang mit Belastungen. Unterschiedliche Erfahrungen, Werte und Handlungsmuster beeinflussen zudem, wie Menschen Risiken wahrnehmen und mit Belastungen umgehen. Dies wiederum macht eine bewusste Gestaltung fairer und unterstützender Rahmenbedingungen notwendig. Wichtig in diesem Zusammenhang sind
- die Förderung von Chancengleichheit beim Zugang zu Ausbildung, Entwicklung und beruflichen Möglichkeiten,
- eine verständliche Kommunikation und Unterstützung für Beschäftigte mit unterschiedlichen Bildungsvoraussetzungen,
- die Sensibilisierung für unterschiedliche kulturell oder sozial geprägte Sichtweisen auf Sicherheit, Gesundheit und Geschlechterrollen,
- die Implementierung klarer Anti-Diskriminierungsrichtlinien und
- die Sensibilisierung von Führungskräften für soziale Ungleichheiten und deren Auswirkungen auf Arbeitsbelastungen.
Weiterführende Informationen:
Auf dem Portal des Kooperationsverbunds Gesundheitliche Chancengleichheit sind Kriterien für eine gute Praxis der soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung zu finden.
Vielfalt wirkt in alle Bereiche der Arbeitswelt hinein – und damit auch in die Prävention. Als Unfallkasse begleiten wir unsere Mitgliedsbetriebe dabei, Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass sie der Vielfalt ihrer Beschäftigten gerecht werden.
Ihr Kontakt zu uns:
Fachbereich Gesundheit, Kultur und Arbeitsfähigkeit
Telefon: 02632 960-1630
E-Mail: gesundheit-im-betrieb@ukrlp.de
Weiterführende Informationen
Hier finden Sie weiterführende Informationen zum Thema „Vielfalt in der Arbeitswelt“:
- Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung
- Charta der Vielfalt e. V.: Charta der Vielfalt - Für Diversity in der Arbeitswelt und Linksammlung
- INQA-Check: Vielfaltskompetente Verwaltung und Vielfaltsbewusster Betrieb
- RKW Kompetenzzentrum: Diversity Management
- Antidiskriminierungsstelle
- Landesantidiskriminierungsstelle RLP